Das Fach Latein

Zwei Jahre haben wir daran gearbeitet - jetzt ist die Genehmigung der Landesschulbehörde Niedersachsen da: Wir dürfen als weitere 2. Fremdsprache Lateinunterricht anbieten.

Dieses Angebot gilt sowohl für Schülerinnen und Schüler des Gymnasial- als auch des Realschulzweiges.

Latein ist vor unserer Haustür

Latein ist die einzige Fremdsprache, die an fast jedem Punkt in Europa immer nur einen Steinwurf weit entfernt ist. So auch in Hude: Für gut 300 Jahre, von seiner Gründung 1232 bis zur Auflösung 1536, war das Kloster Hude Teil des europaweiten Netzwerks des Zisterzienserordens. Wer dort Latein lernte, sprach und schrieb, konnte sich als Teil eines internationalen Kultur- und Sprachraums fühlen, der sich über weite Teile der damals bekannten Welt erstreckte, und damit rechnen, dass man die Sprache, die er in Hude lernte, in Paris ebenso wie in Rom, London oder Barcelona verstehen würde.


10 gute Gründe für Latein

  1. Kultur der Antike als gesamteuropäisches Erbe - Latein als „Vatersprache“
    „Wir sind alle Römer“ -das trifft rechts des Rheins zwar oft nicht zu, aber die Institutionen und Traditionen, die Europa zu einem gemeinsamen Kulturraum haben werden lassen (Christliche Kirche, Römisches Recht, das Universitätswesen), konnten sich nur dank der lateinischen Sprache überregional etablieren.
  2. Latein ist vor der Haustür
    Wer moderne Fremdsprachen lernt, muss in der Regel ins Ausland, um mit der jeweiligen Kultur in Kontakt zu kommen. Kalkriese und der niedergermanische Limes, aber auch die lateinischen Inschriften in der eigenen Pfarrkirche liegen gleichsam in der Nachbarschaft.
  3. Latein als Modellgrammatik
    Der analytische Blick des Lateinunterrichts ermöglicht ein vertieftes Verständnis des Deutschen, ob als Mutter- oder Zweitsprache. Das liegt nicht nur an der Zielrichtung des Übersetzens, sondern auch daran, dass die Grammatiken aller modernen Volkssprachen in Europa der lateinischen Grammatik nachgebildet wurden, als man erstmals Regeln für sie aufgestellt hat.
  4. Latein als Schule des Lernens
    Latein hilft, Lernen und Üben als Techniken zu verstehen und zu erlernen.
  5. Latein als Mutter der romanischen Sprachen
    Ein Großteil der an der Schule erlernten modernen Sprachen außer Englisch gehört zu den romanischen Sprachen (Französisch, Spanisch, Italienisch). Latein bereits zu kennen, erleichtert deren Erwerb immens.
  6. Latein im Fundament der Bildungssprache
    Latein ist in der DNA der deutschen Hochsprache: Wer sich mit der lateinischen Sprache und Literatur beschäftigt, versteht und beherrscht die deutsche Bildungssprache im Hinblick auf Wortschatz und Stil deutlich besser.
  7. Latein macht was her!
    Ob im Bewerbungsgespräch, im Assessment Center oder beim Sektempfang mit dem Vorstandschef – das Latinum kann den „feinen Unterschied“ bei der Karriereanbahnung machen.
  8. Latein hilft, kritisch zu denken
    Mit der präzisen Analyse von Texten schult der Lateinunterricht das Hinterfragen von Rhetorik – das macht immun gegen fake news und populistische Bauernfänger.
  9. Latein ist nicht konjunkturabhängig
    Es klingt paradox, aber: Eine tote Sprache ist immer gleich lebendig. Wer die Sprachwahl danach ausrichtet, welche Sprache mutmaßlich die Zukunft dominieren wird, liegt möglicherweise falsch. Latein schult Kompetenzen, die im 3. Jahrtausend von Vorteil sind, egal, ob es ein chinesisches, arabisches oder spanisches Jahrtausend wird.
  10. Latinum fürs Studium?  Die klassische Begründung „Latinum fürs Medizinstudium“ hat zwar keine Gültigkeit mehr, aber für bestimmte Studiengänge wird das Latinum nach wie vor gefordert. Die Universitäten werden außerdem zunehmend unabhängiger in der Bestimmung ihrer Zulassungskriterien. Es ist nicht auszuschließen, dass sich für lernintensive Studiengänge das Latinum als Zulassungsvoraussetzung wieder etablieren wird. 

Latinum

Bei durchgehendem Besuch des Lateinunterrichts vom 6. bis zum 10. Schuljahr wird das Latinum gemäß Vorgaben der Kultusministerkonferenz erworben.

Kooperationen

Die Fachkonferenz Latein der PUS arbeitet eng mit den latinistischen Instituten der Universitäten Münster und Göttingen sowie mit Der Neulateinischen Gesellschaft, e.V. (DNG) zusammen. Hier eröffnen sich in beide Richtungen zahlreiche Anknüpfungspunkte (Öffnung von Schule: Handschriften und alte Drucke, fachdidaktische Workshops für Lateinstudenten etc…).

Austausch

Eine Sprache ohne Muttersprachler kann keine Partnerschule haben. Das heißt nicht, dass sich das Fach Latein nicht bei den Austausch-programmen der PUS einbringen kann: Nicht nur ist das Italienische die engste lebende Verwandte des Lateinischen, die Regionen Veneto und Emilia-Romagna, in die der Austausch mit Fiume Veneto die Schüler der PUS alljährlich führt, sind reich an Zeugnissen der römischen Antike und zugleich ein Ausgangspunkt des lateinischen Renaissance-Humanismus gewesen.

Verantwortlicher Lateinlehrer

Herr Dr. Christian Peters

Mit den Fächern Latein und Geschichte ist Herr Dr. Peters (* 1985)  seit Februar 2020 Teil des Kollegiums der PUS Hude. Vor seinem Umzug nach Niedersachsen hat er an Gymnasien und Gesamtschulen im Ruhrgebiet gearbeitet und war sieben Jahre lang Dozent für Mittel- und Neulatein an der Universität Münster. Neben wissenschaftlichen Arbeiten hat Herr Peters auch für Schulbücher und Fachzeitschriften geschrieben und lateinische Epen und Dramen aus dem 15. und 16. Jahrhundert erstmals ins Deutsche übersetzt. Er ist überzeugt, dass Latein jeder Generation aufs Neue etwas und jeder Generation etwas Neues zu bieten hat, vor allem, wenn man über den Tellerrand der Antike schaut. Nun stellt er sich seiner bisher seiner spannendsten Aufgabe: Ein 2000 Jahre altes Schulfach an einer Oberschule im Oldenburger Land neu einzuführen.